10 Jahre Bundesverband Liberale Senioren (LiS): Für eine altersoffene Gesellschaft – Die Stuttgarter Erklärung vom 9.Juli 2011

Am 03.März 2001 fand die Gründung der Liberalen Senioren in Stuttgart statt, Gründungsvorsitzende war Ina Albowitz MdB. Heute gibt es in allen sechzehn Bundesländern einen aktiven Landesverband der Liberalen Senioren.


10 Jahre Bundesverband Liberale Senioren
– Stuttgarter Erklärung vom 9. Juli 2011 –
„Für eine altersoffene moderne Gesellschaft“

I. Die LIBERALEN SENIOREN sehen im freien und selbst bestimmt handelnden Menschen ihr Credo. Freiheit, Verantwortung und Toleranz gilt hierbei für alle Lebensalter.

II. In einer Zeit, in der das reale Alter mehr und mehr an Bedeutung verliert, ist ein neuer gesellschaftlicher Blick auf das Alter und das Altern notwendig. Die vorhandenen defizitären gesellschaftlichen Altersbilder, die die Wahrnehmung von Alter, Älterwerden und die damit verbundene Vorstellung des Leistungsvermögens beschreiben, stehen mittlerweile im Gegensatz zur tatsächlichen physischen und psychischen Leistungsfähigkeit einer ganzen Generation. Die LIBERALEN SENIOREN fordern, Menschen wegen ihres Alters weder zu bevorzugen noch zu benachteiligen. Jeder Mensch muss auf die Bedürfnisse der mit ihm lebenden Generationen Rücksicht nehmen. Die sogenannte „Dritte Lebensphase“ mit Krankheit, Gebrechlichkeit und Hilfsbedürftigkeit gleichzusetzen, entspricht längst nicht mehr der Lebenswirklichkeit.

III. Die aktive Teilhabe Älterer in allen gesellschaftlichen und beruflichen Bereichen ist nicht nur wünschenswert, sondern im demographischen Wandel unabdingbar. Zeitgerechte und moderne Altersbilder bilden hierfür die Grundvoraussetzung. Die ältere Generation muss sich nicht nur beteiligen dürfen, sie muss sich auch beteiligen wollen. Die LIBERALEN SENIOREN stehen für eine aktive Dritte Lebensphase. Hierbei öffnet gerade die Zivilgesellschaft Freiheitsräume und neue Gestaltungsmöglichkeiten, die es auszubauen und zu nutzen gilt. Der Auf- und Ausbau von Informationsnetzwerken durch Freiwilligenagenturen, Seniorenbüros oder im Internet ist daher dringend erforderlich. Eine freie Demokratie lebt von aktiven Bürgerinnen und Bürgern jeden Alters.

IV. Der demographische Wandel ist Gegenwart und Zukunft: Wir sind zu einer alternden Gesellschaft geworden. Die LIBERALEN SENIOREN wollen den Anliegen der älteren Menschen in der Öffentlichkeit Gehör verschaffen und gleichzeitig ein generationenübergreifendes Denken und Handeln in Gesellschaft und Politik etablieren. Der demografische Wandel betrifft alle Teile der Gesellschaft und alle Altersgruppen. Politik für ältere Menschen muss daher als Teil einer übergreifen-den Generationenpolitik verstanden werden.

V. Im Interesse kommender Generationen braucht die Politik wieder eine Perspektive von Jahrzehnten, nicht von Wahlperioden. Die LIBERALEN SENIOREN fordern eine Politik mit Augenmaß und die Verankerung der Interessen kommender Generationen im Grundgesetz. Jedes Gesetz muss einer Nachhaltigkeitsprüfung hinsichtlich ökologischer, ökonomischer und sozialer Folgen für kommende und heutige Generationen unterzogen werden.

VI. Bildung ist in einer globalisierten Welt der entscheidende „Rohstoff“ unserer Zeit. Wissen, Erfahrung, berufliche und soziale Kompetenz sind die tragenden Säulen. Weiterbildung und Qualifizierung werden essentiell. Die LIBERALEN SENIOREN fordern, jedem jungen Menschen mit einer bestmöglichen Bildung, Ausbildung und Studium eine Perspektive für sein Leben zu eröffnen, aber im gleichen Maße den Focus auf das lebensbegleitende Lernen zu richten. Die persönlichen Talente und Begabungen müssen nicht nur frühzeitig erkannt und gezielt gefördert werden – sie müssen auch lebenslang ausgebaut und dem Stand der Entwicklung angepasst werden, zum Wohle der gesamten Gesellschaft und zur Sicherung des Fachkräftepotentials. Die demographische Entwicklung mit dem zunehmenden Älterwerden unserer Gesellschaft zwingt uns zu einem positiven Einstellungswechsel gegenüber der Erwerbstätigkeit älterer Menschen überhaupt.

VII. Der hohe Anteil der Senioren in der Gesellschaft wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten beständig steigen, die Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland wird sich stark verändern, die Alterspyramide wird quasi auf den Kopf gestellt. Gleichzeitig wird die Gesamtbevölkerung bis zum Jahr 2050 von ca. 82 Mio. auf voraussichtlich 68 Mio. sinken. Die LIBERALEN SENIOREN fordern, diese Herausforderung anzunehmen und den Generationenvertrag neu zu diskutieren. Der Zusammenhalt der Generationen muss neu definiert werden. Hierzu gehört auch die Gestaltung der sozialen Sicherungssysteme, die sowohl für den Einzelnen wie für den Wirtschaftsstandort Deutschland essentiell sind.

VIII. Nicht nur die Altersstruktur, auch die kulturelle Identität wird künftige Generationen vor Herausforderungen stellen.Das Bekenntnis zur Pluralität der Gesellschaft ist das Bekenntnis zur Pluralität der Altersbilder, welches kulturelle Besonderheiten und höchstpersönliche Lebensentwürfe anerkennt. Die LIBERALEN SENIOREN fordern, die Vielfalt und Hintergründe älterer Menschen sehr viel stärker zu beachten.

IX. Der demografische Wandel stellt neue Herausforderungen an die alternde Gesellschaft. Besonders die Barrierefreiheit auf allen Gebieten, sei es im Wohnungs-bau, im ÖPNV oder im Internet, muss verbessert werden, um möglichst lange ein Leben in Selbständigkeit zu ermöglichen. Die LIBERALEN SENIOREN fordern, die Ausbildung von Architekten, Ingenieuren und Stadtplanern etc. so zu gestalten, dass die Belange der Barrierefreiheit Eingang in die Ausbildungscurricula finden. In unserer älter werdenden Gesellschaft müssen Wohnungen, Straßen, öffentliche Gebäude, Verkehrs-, Kultur- und sonstige Einrichtungen barrierefrei gestaltet sein. Die Berücksichtigung dieser Belange hilft Senioren, Menschen mit Behinderungen aber auch der Mutter mit einem Kinderwagen. Der Erhalt von Selbständigkeit entspricht dem Willen der Menschen und spart der Allgemeinheit Kosten.

X. Von den 500 Millionen Bürgern der Europäischen Union sind weit über 100 Mio. Bürger älter als 60 Jahre. Mehr als ein Fünftel der Bevölkerung; Tendenz rasant steigend. Das Altern der europäischen Gesellschaft ist somit eine zentrale Herausforderung der EU. Die LIBERALEN SENIOREN fordern eine europäische Politik, die diesen Transformationsprozess zusammen mit der älteren Generation aufgreift. Europa ist ein Gedanke, der noch immer zu wenig die Menschen ergreift. Wir brauchen mehr Begegnungen und Kontakte, wir brauchen Solidarität und gemeinsames Tun aller Altersgruppen und aller Nationen. Die Chancen grenzüberschreitender Zusammenarbeit müssen vermehrt diskutiert und eine stärkere Vernetzung der Seniorenverbände innerhalb Europas erreicht werden. Die ältere Generation trägt für Europa eine besondere Verantwortung.

Bei weiteren Fragen, können Sie Sich vertrauensvoll an den Kreisvorsitzenden der LiS Gerhard H. Gräber (Kontaktdaten) wenden.