23. Politstammtisch: Standortfaktor Kinderbetreuung.

Marlis Otto (4 von links), Andreas Frache (5 von links), Susann Guber (6 von links), Helga Gräber (2 von rechts) und Jörg Müller (ganz rechts).

Marlis Otto (4 von links), Andreas Frache (5 von links), Susann Guber (6 von links), Helga Gräber (2 von rechts) und Jörg Müller (ganz rechts).

„Die Mitglieder des Ältestenrates, damals durchgängig Männer, waren seinerzeit nicht begeistert von meinem Ansinnen. Frauen gehörten schließlich an den Herd und Kinder brauchen Ihre Mütter“, so Frau Marlis Otto, Gründerin und 1. Vorsitzende der Tagesmütterzentrale Neu-Isenburg, beim 23. Politstammtisch der FDP Neu-Isenburg, unter dem Motto „Standortfaktor Kinderbetreuung“.

Vor einem sehr interessierten Publikum berichteten Frau Otto und ihre Mitarbeiterinnen, Frau Zettler und Frau Wille, von den Anfängen und der weiteren sehr erfolgreichen Entwicklung der Tagesmütterzentrale in Neu-Isenburg. Das Angebot zur Vermittlung einer flexiblen Kinderbetreuung ohne starre Öffnungszeiten, durch qualifizierte Tagesmütter, trifft seit der Gründung der Tagesmütterzentrale im Jahr 1991 bis heute auf eine sehr rege Nachfrage. „Lange bevor das Thema Kinderbetreuung in der Öffentlichkeit aufgegriffen wurde, hat Frau Otto, übrigens in all den Jahren ehrenamtlich, hier Standards gesetzt die sich auch heute noch sehen lassen können“, so die Moderatorin des Abend und Spitzenkandidatin der FDP-Neu-Isenburg, Susann Guber. Heute werden in Neu-Isenburg ca. 60 Kinder von derzeit 31 Tagesmüttern und einem Tagesvater betreut.

Die Anforderungen die heute auch von amtlicher Seite an Tagesmütter und –väter gestellt werden, wie ein qualifiziertes Führungszeugnis, Gesundheitszeugnisse und die Teilnahme an vielfältigen Fortbildungen, sind in Neu-Isenburg seit gut 20 Jahren hoher Standard. Die Tagesmütterzentrale war, und ist, weit über die Stadt hinaus ein Vorreiter beim Thema flexible Kinderbetreuung. Mittlerweile unterstützt nicht nur die Stadt Neu-Isenburg, sondern auch der Kreis Offenbach und das Land Hessen die Initiative. Durch die Unterstützung von behördlicher Seite ist die häusliche Kinderbetreuung durch Tagesmütter-/väter, bei einem Elternanteil von nur noch 1,09 €/Betreungsstunde eine echte finanzielle Alternative zur Betreuung in Krabbelstuben oder Kindergärten. Damit das Modell auch für die Tagesmütter- und väter attraktiv ist, packt die Stadt Neu-Isenburg, zusätzlich zur vom Kreis Offenbach gewährten Vergütung von 3,26 €, noch 2,- €/Stunde und Kind oben drauf. „Trotz der finanziellen Anreize ist es aber immer wieder nicht gerade leicht, qualifizierte neue Tagesmütter und, wenn möglich, auch Tagesväter zu finden. Dies ist letztlich eine unserer größten Herausforderungen, denn an Nachfrage seitens der Eltern fehlt es unverändert nicht“, so Otto. Ein weiteres Problem ist die Deckung der Kosten der Vermittlungsstelle selbst. „Die anfallenden Kosten werden zur Hälfte vom Land Hessen getragen, für die andere Hälfte sind wir auf Elternbeiträge, Zuwendungen der Stadt und Spenden angewiesen.“, erklärt Frau Wille.

Ein bewährtes Modell zur Verstetigung der Spenden, aber auch der Festigung persönlicher Beziehungen ,ist das der Firmenpaten. Über regelmäßige Spenden (mind. 500,-€/Jahr) unterstützen zahlreiche ortsansässige Unternehmen die Arbeit der Tagesmütterzentrale und können im Gegenzug ihren Mitarbeitern eine gesicherte Kinderbetreuung bieten. „Mit diesem Standortfaktor können die Isenburger Unternehmen Ihre qualifizierten Mitarbeiter halten und sind auch bei der Suche nach neuem Personal gegenüber anderen Unternehmen im Vorteil“, so Otto weiter.

Auf die von der Moderatorin zum Abschluss gestellte Frage nach der zukünftigen Entwicklung der Tagesmütterzentrale gab es ein allgemeines Schmunzeln, denn an dieser Stelle hat man sich bereits sehr konkrete Gedanken gemacht. „Wir möchten in geeigneten Räumlichkeiten die Möglichkeit zur punktuellen Betreuung schaffen. Wenn z. B. die Mutter kurzfristig ausfällt, so gibt es bislang keinen festen Anlaufpunkt für eine „Notfallbetreuung“ in Neu-Isenburg. Darüber hinaus könnte die Räumlichkeit als Begegnungsstätte der Tagesmütter dienen, diese sind sonst schließlich weitestgehend Einzelkämpfer“, erklärt Otto.

Die Stadt hat hier ihre Unterstützung zugesichert. Das Unterfangen wird auch von der FDP sehr begrüßt und selbstverständlich unterstützt. „Bereits vor Jahren hat die FDP Neu-Isenburg einen Antrag zum Thema Notfallbetreuung gestellt. Leider sah man seinerzeit sah auf Seiten der Verwaltung keinen Bedarf, wenn sich diese Meinung nunmehr geändert hat, umso besser für die Betroffenen“, so Helga Gräber , sozialpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion.

Nach einer angeregten Frage- und Antwortrunde schloss Susann Guber mit Dank an die Referentinnen unter Applaus der Zuhörerinnen und Zuhörer den interessanten Informationsabend.