Droht bei geänderten Flugrouten und Landebahnbelegungen den Bürgern noch mehr Fluglärm?

Dies war eine von vielen Fragen, denen die Neu-Isenburger Freidemokraten bei ihrem traditionellen Stammtisch letzten Donnerstag im Gasthaus Linde nachgingen. Eingeladen seitens des Isenburger FDP-Magistratsmitglieds Andreas Frache und dem Parteivorsitzenden Jörg Müller war als Referent der städtische Biologe Dr. Peter Schönegge. Er gilt als ausgewiesener Experte in puncto Flughafen, der die Stadt seit vielen Jahren in zahlreichen Foren und Gesprächsrunden bei diesem Thema vertritt. Dr. Schönegge vermittelte anhand vieler Grafiken und Tabellen den rund 30 Gästen an dem Abend einen gut verständlichen Einblick in die komplexe Materie. Selbst eine geschichtliche Darstellung der Entstehung und des Wachstums des Flughafens fehlte nicht.

v.l.n.r.: Thilo Seipel (stellv. Vorsitzender), Andreas Frache (Stadtrat), Dr. Peter Schönegge (städtische Biologe) und Jörg Müller (Vorsitzender).

v.l.n.r.: Thilo Seipel (stellv. Vorsitzender), Andreas Frache (Stadtrat), Dr. Peter Schönegge (städtische Biologe) und Jörg Müller (Vorsitzender).

Jedem Teilnehmer an dem Abend sei die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens für die Region und die Arbeitsplätze bewusst, so Jörg Müller, sonst wäre zum Beispiel auch nicht mit „The Squaire“ jüngst das größte Bürogebäude Europas an der A3 über dem Fernbahnhof des Flughafens entstanden. Auch Neu-Isenburg profitiere vom Flughafen. Allerdings könne der Fluglärm und die Schadstoffbelastung nicht immer weiter gesteigert werden.

Andreas Frache ergänzte: „Wir sind heute schon an der Belastungsgrenze und Neu-Isenburg muss aufpassen, dass jetzt durch die Frankfurter Proteste gegen die neue Nordbahn nicht noch mehr Flugverkehr auf die an Neu-Isenburg grenzende Südbahn verlagert wird.“ Dr. Schönegge sprach in diesem Zusammenhang auch von einem immer bestehenden Risiko, dass geänderte Flugrouten und Bahnbelegungen, die durch die Flugsicherung in rein behördlichen Verfahren festgelegt würden, die Belastungen in der Region jederzeit verschieben könnten. Auch sei durch den Ausbau eine 50%ige Kapazitätssteigerung auf bis zu 750.000 jährliche Flugbewegungen geschaffen worden, die irgendwann, vielleicht 2020, genutzt werden dürfte. Somit drohe dann sogar eine erneute Ausbaudebatte, vielleicht im Süden, hier dürfe sich Neu-Isenburg nicht in Sicherheit wiegen.

Aktuell gab Dr. Schönegge aber eine gewisse Entwarnung. Die neue Landebahn im Norden dürfte kaum wieder stillgelegt werden, da sie als für die Region insgesamt noch verträglichste Variante ausgewählt wurde, auch wenn sie für Sachsenhausen sicher eine Belastungskonzentration darstelle. Auch müssten sich bei geänderten Flugrouten in einer gewissen Entfernung zum Flughafen die Flieger bereits auf dem geraden Leitstrahl befinden, so dass Neu-Isenburg auch künftig bei Landungen nicht direkt überflogen werde, wie z.B. Raunheim. Das erleichterte Durchatmen in der Runde der Zuhörer an diesem Abend war deutlich hörbar.

Nach dem offiziellen Teil des liberalen Stammtischs diskutierten in kleiner Runde neben den anwesenden Bürgern auch Vertreter anderer Parteien über die Thematik. Was dabei ein grüner Kommunalpolitiker als Ausbaugegner mit den beiden Vertretern der Freien Wähler (erklärte Ausbaubefürworter) im Detail besprochen haben, bleibt an dieser Stelle natürlich ein Geheimnis.

Als Fazit des Abends hält Andreas Frache vom Ortsverband der Isenburger FDP, der Dr. Schönegge für seinen Vortrag herzlich dankte, fest: „Den Dialog mit dem Bürger suchen, sich über Fakten informieren und damit zur ausgewogenen Meinungsbildung zu kommen, dazu haben die Isenburger Liberalen wieder einmal einen Beitrag geleistet.“ Die Bürger sollten wachsam die weitere Entwicklung beim Thema Flughafen und Nachtflugverbot verfolgen und immer wieder ihre Stimme erheben. So könnten sie sehr wohl auf die weitere Entwicklung Einfluss nehmen, da am Ende auch politische und selbst gerichtliche Weichenstellungen trotz aller Ziele und Fakten auch auf einer Abwägung von Argumenten beruhen.