Erfert zeigt Mängel im Bereich Kunst und Kultur auf.

Interessierte Zuhörer beim Vortrag der Kunsthistorikerin Esther Erfert

Interessierte Zuhörer beim Vortrag der Kunsthistorikerin Esther Erfert

Unter dem Motto „Kunst und Kultur, Quo Vadis Neu-Isenburg?“ fanden sich jüngst trotz annähernd tropischer Temperaturen ein qualifiziertes Publikum zum Stammtisch der örtlichen FDP zusammen, um über die Frage zu beraten warum Neu-Isenburg trotz vielerlei Engagements Seitens der Stadt und engagierter Bürger nach außen nicht als kulturell bedeutende Stadt wahrgenommen wird.

Die langjährig in Neu-Isenburg tätige Kunsthistorikerin und Referentin des Abends, Frau Esther Erfert, sah in Ihrer Funktion als Kuratorin den Mangel an inspirierenden Räumlichkeiten, in denen sich Kunstschaffende und interessierte Gruppen frei, und vor allem ohne Einmischung der Politik, entfalten können als einen wesentlichen Punkt. Etliche Teilnehmer dachten denn auch sehnsüchtig an den Künstlerbahnhof am heutigen Gleis 1 zurück. Über einen Verlauf von ca. 10 Jahren konnten sich hier Theatergruppen, Schülerbands, Einzelkünstler usw. gemäß eigener Regeln „austoben“. Ein ähnliches Flair könnte wohl nur eine Industriebrache wie z. B. das Backsteingebäude der Bundesmonopolverwaltung bieten.

Für eine freie Entfaltung der Kunst braucht es neben den Räumlichkeiten naturgemäß engagierte Künstler und nicht zuletzt ein entsprechend interessiertes Publikum.

Kunsthistorikerin Esther Erfert bei ihren Ausführungen

Kunsthistorikerin Esther Erfert bei ihren Ausführungen

An beidem mangelt es jedoch in Neu-Isenburg. So konstatierte Frau Erfert: „Die heutige Künstlerszene ist im Gegensatz zu früher sehr geprägt von wirtschaftlichen Interessen. Bei etlichen Kunstschaffenden steht nicht die Aufopferung für Ihr Werk, sondern die Zahl der Verkäufe im Vordergrund.“ Entsprechend angepasst an den Mainstream kommen die Arbeiten dann nicht selten daher.

Apropos Mainstream: Weite Teile der Bevölkerung scheinen das Bedürfnis nach Kunst und Kultur verloren zu haben, oder darunter etwas Anderes zu verstehen. Realitysoaps und Castingshows lassen grüßen.

Und das obwohl die Stadt, insbesondere wenn es um die Erfüllung des Bildungsauftrages geht, einiges zu bieten hat. Mit im Kindergarten beginnenden Theaterreihen der Hugenottenhalle, aber auch in Sachen Stadtbibliothek, der direkten Unterstützung von jungen Künstlern über den Kulturpreis bis nicht zuletzt der Unterstützung von Organisationen wie der Jugendmusikschule, werden die Bürger von Kindesbeinen an das Thema Kunst herangeführt. Auch was Feste betrifft muss sich Isenburg, trotz hier und da vorgenommener Optimierungen, mit Veranstaltungen wie den Open Doors, Altstadtfest, Weihnachtsmarkt etc. nicht verstecken.

„Aber wird Neu-Isenburg auch nach außen als Kunst- und Kulturstadt wahrgenommen?“ fragte die Ortsvorsitzende der Isenburger FDP, Susann Guber. Nur um diese Frage gleich selbst mit Nein zu beantworten. Ursächlich dafür ist aus ihrer Sicht die Stadtgestaltung selbst. „Wir haben keine wirklich schönen Parks und Plätze mit Aufenthaltsqualität in unserer Stadt. Weder einen attraktiven, zentralen Brunnen, noch öffentliche Kunst an zentraler Stelle. Selbst der Marktplatz bleibt unter seinem Potential“, so Guber weiter.

Eine Vertreterin der Stadt machte deutlich, dass diese Umstände durchaus wahrgenommen werden. Wenn man hier etwas ändern möchte, sind jedoch höhere finanzielle Mittel erforderlich. So wurden die städtischen Budgets in den letzten Jahren um rund 40% gekürzt.

Was sich die Runde in diesem Zusammenhang wünscht, ist eine echte öffentliche (Podiums-) Diskussion zu dem, was Kunst und Kultur im Allgemeinen und speziell in Neu-Isenburg leisten könnte.

Es bleibt festzuhalten, dass die FDP mit dem Thema des Abends einen Nerv getroffen hat, was sich auch in engagierten und sachbezogenen Diskussionsbeiträgen von etlichen Teilnehmern niederschlug. „Die FDP Fraktion wird sich dieses Themas auch weiterhin annehmen und versuchen, zielführende Anträge zu erarbeiten“; so Fraktionsvorsitzender Thilo Seipel abschließend.