FDP- Prüfungsantrag Ökostrom, Energiebilanz Stadtwerke / städtische Liegenschaften.

Die Stadtwerke Neu-Isenburg (SWNI) weisen in ihrem aktuellen, für die
städtischen Liegenschaften erstellten Energiebericht, eine deutliche
Verminderung der Schadstoffemissionen aus Elektroenergie, um teilweise bis
zu 90%, gegenüber dem Vorjahr aus.
Begründet wird dies mit der Umstellung auf das Stadtwerke-Ökostromprodukt
„PURelectra“, also Wasserkraftstrom aus Skandinavien sowie der Schweiz.

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

Der Magistrat wird gebeten zu prüfen, inwiefern der von den
Stadtwerken Neu-Isenburg als Ökostrom vermarktete Strom tatsächlich in das
deutsche Stromnetz eingespeist wurde (Stichwort: Zeitgleiche bedarfsgerechte
Einspeisung) und inwieweit der Ausbau erneuerbarer Energien durch das von
den Stadtwerken angebotene Ökostromprodukt voran getrieben wurde.

Begründung:

Laut Greenpeace ist für die Qualität eines Ökostromangebotes in erster
Linie entscheidend, wie viele Neuanlagen durch das Ökostromangebot
entstehen und inwiefern diese den Strom aus herkömmlichen Anlagen (insb.
Atom- und Kohlekraftwerke) verdrängen. Dies entspricht auch dem Verständnis
der deutschen Ökostromkunden und vermutlich auch der Stadt Neu-Isenburg.

Die Stadtwerke Neu-Isenburg erwerben ihren Ökostrom über den Zukauf von sog.
RECS-Zertifikaten (Renewable Energy Certificates System).
Diese bescheinigen, dass in einer bestimmten Anlage Strom aus erneuerbaren
Energien erzeugt wurde. Neben dem Weiterverkauf dieses RECS-Stromprodukts an
Endverbraucher ist es gestattet, einen höheren Anteil an erneuerbaren
Energien in seinem Strommix auszuweisen. Der Verkäufer der RECS-Zertifikate
weist ggfs. einen entsprechend niedrigeren Anteil erneuerbarer Energien aus.

Im RECS-System wird allerdings weder eine zeitgleiche Einspeisung, noch der
Zubau neuer Ökostromanlagen gefordert. Insbesondere aus letzterem Grund
wird RECS von vielen „echten“ Ökostromanbietern vehement abgelehnt. (siehe
auch Seite 23-28, der Greenpeace Ökostromstudie)

Tatsächlich wird der Ökostrom der Stadtwerke aus Wasserkraftanlagen
„geliefert“, die teilweise seit über einem halben Jahrhundert in Betrieb
sind (Vanttauskoski 1943, Dönje 1948, Dovikfoss 1975). Die Förderung des
Zubaus neuer Anlagen ist somit zumindest fraglich bzw. nicht erkennbar.

Verweis zur Ökostromstudie: OEkostrom-Studie Leprich