Reise zum Urknall – die Entwicklung des Universums im Licht der Teilchen- und Kernphysik

Einen unvergesslichen und höchst spannenden Abend verlebten die Teilnehmer auf Einladung der FDP Neu-Isenburg ihm Rahmen ihres monatlichen Stammtisches bei der GSI – Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Besuchergruppe der FDP Neu-Isenburg.

Besuchergruppe der FDP Neu-Isenburg.

Die Teilnehmer konnten sich bei einem spannenden Vortrag von Dr. Ingo Peter Dipl.-Phys., Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der GSI, und anschließender Führung durch die beeindruckenden Hallen ein Bild der weltweit einmaligen Beschleunigeranlage für Ionenstrahlen machen. Dort lassen sich Ionen aller natürlich vorkommenden Elemente – vom Wasserstoff bis zum Uran – auf nahezu Lichtgeschwindigkeit bringen. Wissenschaftlern der GSI gelang es, in Experimenten an der Beschleunigungsanlage insgesamt sechs neue Elemente, die Eingang in das Periodensystem gefunden haben, zu entdecken bzw. zu erzeugen. Eines der sechs neuen Elemente ist das „Darmstadtium“ mit der Ordnungszahl 110.

Das Forschungsprogramm bei der GSI erstreckt sich von Teilchen-, Kern- und Atomphysik über Plasma- und Materialforschung bis hin zu Biophysik und Tumortherapie. Letztere war ebenfalls Teil der Führung durch Dr. Peter. Dieser erklärte die neue Krebstherapie, die von GSI-Wissenschaftlern zusammen mit Medizinern entwickelt wurde und bei der mit großem Erfolg Patienten mit Tumoren im Kopf- und Halsbereich mit Ionenstrahlen behandelt wurden. Und dies hochwirksam, präzise und ohne Nebenwirkungen. Seit Herbst 2009 befindet sich diese Art der Tumortherapie am Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum (HIT) in der klinischen Routineanwendung. Die Heilungschancen liegen bei 97 %.

Kontrollzentrum des GSI.

Kontrollzentrum des GSI.

Ein Highlight der Führung war die Besichtigung des Kontrollzentrums, dem Herz der GSI, von dem sämtliche Experimente und Prozesse angestoßen, gesteuert und überwacht werden. Ein wenig kam man sich vor, als sei man im Kontrollzentrum der NASA.

Die Teilnehmer staunten nicht schlecht, als Dr. Peter von dem geplanten Großprojekt FAIR (Facility for Antiproton an Ion Research) berichtete. Die GSI plant zusammen mit Physikern aus aller Welt das neue Beschleunigerzentrum FAIR für die Forschung mit Antiprotonen- und Ionenstrahlen. Damit wird eine der größten Beschleunigeranlagen der Welt errichtet. Das Herzstück dieser neuen Anlage wird ein großer Doppelringbeschleuniger mit 1.100 Metern Umfang sein. FAIR wird von vielen hundert Forschern weltweit geplant und in Kooperation von voraussichtlich 16 Ländern in einer Bauzeit von 8 Jahren gemeinsam gebaut und betrieben. Gut 3.000 wissenschaftliche Nutzer weltweit werden dann auf dieser Anlage forschen.

Dies ist bei Weitem nicht alles, was mit Forschungsgeldern realisiert wird. Die wichtigste Ressource, die Deutschland hat, sind nicht Bodenschätze sondern die Bildung und die fachliche Qualifikation der Menschen. Mit rund 1050 Mitarbeitern sowie 1200 Wissenschaftlern von Hochschulen und anderen Forschungszentren weltweit, trägt die GSI wesentlich dazu bei, wissenschaftlichen Nachwuchs bzw. hochqualifizierte Fachkräfte auf den Markt zu bringen. Dies ist, neben der unbedingt weiter voranzutreibenden betrieblichen Aus- und Weiterbildung, höchst wichtig für den Standort Deutschland argumentierte Krüger – Europabeauftragter für den Landkreis Offenbach. Daher sollten auch in Zukunft weiterhin Gelder für Forschung und Entwicklung bereitgestellt werden. Dies wäre jedenfalls eine lohnende Investition, hier waren sich Krüger und die Anwesenden einig.

Beeindruckende Apparatur des GIS in Darmstadt.

Beeindruckende Apparatur des GIS in Darmstadt.

Jede Investition in die Hochtechnologie und in die Forschung muss mit dem Schutz des geistigen Eigentums verbunden sein, so wie es die FDP schon länger fordert. Dies ist aufgrund der großen Investitionen in Forschung und Technik unumgänglich. Diese Verantwortung liegt nicht nur bei der Politik, sondern im Besonderen auch bei den global agierenden Unternehmen.

Die Teilnehmer waren sich hinterher alle einig, dass dies ein höchst spannender und informativer Abend war, in welchem sie der Faszination Physik erlagen. Die FDP Neu-Isenburg kann daher den Schulen in Neu-Isenburg nur raten, auch eine solche Reise zum Urknall zu wagen.

Autorin: S. Engel