Schon vor 40 Jahren schrieb sich die FDP den Umweltschutz ins Parteiprogramm!

Grafik-Quelle: http://www.politik-fuer-die-freiheit.de

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Am 27. Oktober 1971 wurde auf dem Bundesparteitag der FDP in Freiburg, mit den Freiburger Thesen, ein Grundsatzprogramm verabschiedet, das den Namen wirklich verdiente. Unter Federführung von Karl-Hermann Flach, Werner Maihofer und Walter Scheel, nahmen die Freien Demokraten als erste deutsche Nachkriegspartei eine entschiedene Position pro Umweltschutz ein und dies Jahre, bevor andere politische Parteien sich diesem Thema überhaupt widmeten.

Karl-Hermann Flach musste dieses Grundsatzprogramm gegen den Widerstand des konservativen Parteiflügels durchsetzen. Leider wurde das Programm gerade im Bereich Umweltschutz nicht ausreichend umgesetzt.

Ansonsten gäbe es vielleicht heute die Grünen nicht, denn große Teile der umweltbewussten bürgerlichen jungen Wahlberechtigten standen damals den Freien Demokraten sehr nahe, waren dann aber enttäuscht, da das Thema Umweltschutz eben seitens der FDP Führung nicht entsprechend umgesetzt wurde. Auch im Ortsverband Neu-Isenburg traten viele Mitglieder als Folge der Freiburger Thesen den Freien Demokraten bei.

Die damals verfassten Zeilen, haben auch heute kaum an Aktualität eingebüßt und würden in einer Neufassung, vielleicht nur durch eine etwas angestaubte Wortwahl auffallen, wie aus dem nachfolgenden Auszug zu erlesen ist:

[ … VORBEMERKUNG:
Umweltpolitik antwortet auf eine Herausforderung der Industriegesellschaft. Bevölkerungszunahme, Verstädterung und Zersiedlung, hemmungsloser technischer Fortschritt und wachsender Wohlstand führen zu einer Übernutzung und Zerstörung der Naturgrundlagen: von Boden und Rohstoffen, Luft und Wasser. Der Lärm wird besonders in Verdichtungsräumen unerträglich; Umweltchemikalien drohen unsere Nahrungsmittel zu vergiften. Die Umweltkrise ist weltweit. Sie bedroht auch uns und unser Land. Der über Jahrhunderte dauernde Raubbau an der Natur muß aufhören. Auch für künftige Generationen müssen noch Rohstoffe, frische Luft und reines Wasser vorhanden sein. Die Aufnahmefähigkeit der Natur für Abfälle und andere Umweltbelastungen ist begrenzt.

Die soziale Marktwirtschaft hat wirksame Mittel und Möglichkeiten, die Umweltkrise zu bekämpfen. Leitgedanke ist dabei der Schutz der Würde des Menschen. Daß heißt: Zu den unabdingbaren Menschenrechten gehört das Recht auf eine Umwelt in bestem Zustand.

Umweltpolitik ist Gesellschafstpolitik und geht jeden Bürger an. Der Staat allein kann die Umweltprobleme nicht lösen. Umweltpolitik wird nur auf der Grundlage eines neuen Umweltbewußtseins Erfolg haben können. Umweltschutz kann sich auch nicht nur auf die Abwehr bereits eingetretener Umweltschäden beschränken. Umweltschutz erfordert eine auf lange Sicht angelegte Umweltplanung. Notwendig ist eine ständige Berücksichtigung von Umweltfaktoren in allen Entscheidungen der Wirtschaft und öffentlichen Hand. Auf technischen Fortschritt und Wirtschaftswachstum braucht dabei nicht verzichtet zu werden. Die Leistungskraft unserer Volkswirtschaft wird aber in Zukunft danach beurteilt werden, ob es gelingt, mit marktgerechten Mitteln umweltfreundliche Verfahren und Produkte durchzusetzen.

Umweltpolitik verlangt Umdenken und Nachdenken. Liberales Ziel ist es, jedem Bürger die für seine Gesundheit und sein Wohlbefinden notwendige Qualität seiner Umgebung zu sichern. Deshalb muß Umweltpolitik den gleichen Rang erhalten wie soziale Sicherung, Bildungspolitik oder Landesverteidigung. … ]

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Freiburger_Thesen
http://www.freiheit.org/files/288/1971_Freiburger_Thesen.pdf